Worum handelt es sich bei der Produkttheorie? Bei der Produkttheorie geht es darum das das Produkt (also die Summe aus Kaltmiete, Betriebs- und Heizkosten) den angemessenen Kostenrahmen nicht überschreiten darf. Es darf jedoch eine größere Wohnung mit geringeren Betriebs- und Heizkosten angemietet werden.

 

Die Jobcenter verbreiten auch gerne die Falschinformation das kein Anspruch auf 50-qm für einen Einpersonenhaushalt besteht. Das ist falsch. Hier ein Auszug zur Produkttheorie aus der "Arbeitshilfe zur Bestimmung der angemessenen Aufwendungen der Unterkunft im Rahmen kommunaler Satzungen", Seite 19 (in der PDF-Datei Seite 21):

 

Produkttheorie

Die angemessenen Aufwendungen für die Unterkunft sind nach der sogenannten Produkttheorie festzulegen1. Sie besagt, dass die Angemessenheit einer Wohnung über die Gesamtkosten zu definieren ist. Die Gesamtkosten sind das Produkt aus der angemessenen Wohnfläche und der angemessenen Quadratmetermiete. Die hieraus resultierende maximale Wohnungsmiete darf dabei nur so hoch sein, dass sie einen einfachen Wohnstandard repräsentiert. (Anmerkung: Aber nur den unteren Standard, nicht den untersten Standard! Mehrere BSG-Urteile dazu.) Sinn der Produkttheorie ist es, den Bedarfsgemeinschaften eine selbstbestimmte Verwendung ihres Wohnkostenbudgets zu ermöglichen. Der Gedanke, ein Produkt aus Wohnfläche und Quadratmetermiete zu bilden, liegt auch schon seit langer Zeit dem Wohngeld zugrunde und hat sich bewährt.

 

Die angemessene Wohnfläche ist ein Richtwert, der für die jeweilige Haushaltsgröße der Bedarfsgemeinschaft festgelegt wird (Beispiel: für 1 Person 50 qm). Er stellt einen rechnerischen Wert dar, der als Faktor in das Produkt eingeht. Die angemessene Wohnfläche ist daher nicht die maximal zulässige Wohnfläche.

 

Die angemessene Quadratmetermiete ist die Summe aus der Netto-Kaltmiete und den kalten Betriebskosten (d. h. die Brutto-Kaltmiete) und wird ebenfalls für die jeweiligen Wohnungsgrößenklassen festgelegt2.

 

Produkt = Wohnfläche * (Netto-Kaltmiete je qm + kalte Betriebskosten je qm)

 

Die Wohnkosten sind auch dann angemessen, wenn einer der beiden Faktoren des Produkts oberhalb der Angemessenheitsgrenzen liegt, die Kosten der Unterkunft für die Wohnung insgesamt aber im Rahmen der Mietobergrenzen bleiben.

 

Beispiel für eine 1-Personen-Bedarfsgemeinschaft

 

50 qm * (5 € Netto-Kaltmiete je qm + 1 € kalte Betriebskosten je qm) = 300 €

 

(Anmerkung: Die Werte sind für Städte nicht realistisch. Die Betriebskosten dürfen nicht pauschaliert werden. Ist wirklich nur ein Beispiel mit Phantasiewerten.)

 

Alle Wohnungen mit Gesamtkosten bis zu 300 Euro sind angemessen, auch wenn einzelne Faktoren höher liegen als die Richtwerte. D. h.

 

-       eine Wohnung kann auch 60 qm groß sein, wenn die Quadratmetermiete entsprechend geringer ist.

-       die Quadratmetermiete bruttokalt kann auch 8 € betragen, wenn die Wohnfläche entsprechend  kleiner ist;

-       die Betriebskosten können auch 1,50 € betragen, wenn die Wohnfläche oder die Quadratmetermiete entsprechend geringer ist.

 

1BSG-Urteil vom 07.11.2006 - B 7b AS 18/06 R, Randnummer 20

2BSG-Urteil vom 19.10.2010 - B 14 AS 50/10 R, Randnummer 33.

 

 

Weitere Informationen unter KdU - Falschinformationen, KdU (Wohnkosten), Wohnfläche - Diskriminierung  Mieter und Mietberechnung Köln.

 

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